Gaited Working Equitation - mit Andrea Jänisch/ Marlies Feldmann

Working Equitation als Reitsportdisziplin hat ihre Ursprünge in den (süd-)europäischen Arbeitsreitweisen in Portugal, Spanien, Frankreich und Italien. Das Hüten und Treiben der relativ wild gehaltenen Rinder vom Pferd aus verlor durch die zunehmende Modernisierung jedoch auch in diesen Ländern an Bedeutung und so wurde aus der regionalen Notwendigkeit zunehmend ein Stück immer mehr in Vergessenheit geratener Tradition und nur von wenigen ausgeübtes Kulturgut. Daher entstand die Idee, für diese verschiedenen europäischen Arbeitsreitweisen einen internationalen Verband mit Prüfungsstandards und Wettkämpfen ins Leben zu rufen. Die Geburtsstunde der Working Equitation.

Die Prüfung besteht aus vier Teilwettbewerben: Dressur, Trail (der Rittigkeit, Vertrauen und Gehorsam der Pferde überprüft), Speedtrail (wie Trail, jedoch auf Schnelligkeit geritten) und Rinderarbeit. Der übergeordnete Dachverband ist die WAWE (World Association for Working Equitation) in Portugal. Diesem Verband gehören mittlerweile Verbände aus 12 Ländern an, seit 2008 gehört auch Deutschland dazu, Working Equitation erfreut sich auch hierzulande steigender Beliebtheit.

Gaited Working Equitation ist angelehnt an die Working Equitation Wettbewerbe für dreigängige Pferde, berücksichtigt aber die Besonderheiten unserer Gangpferde. Ihre Zucht hat in manchen Fällen zwar die gleichen Ursprünge aber doch zumeist andere Ziele als die der Pferde aus den europäischen Arbeitsreitweisen und so werden sie seit Jahrhunderten vor allem auf Bequemlichkeit und Ausdauer ihrer speziellen Gangvariante gezogen. Oftmals blieben hierbei die Grundgangarten doch ein bisschen auf der Strecke und so darf und kann man die Grundgangarten eines Mehrgängers einfach nicht mit denen eines Dreigängers vergleichen und nicht die selben Ansprüche stellen. Zudem liegt das Einsatzgebiet eines mehrgängigen Reitpferdes in Europa oftmals eher im Freizeitbereich und auch unabhängig von der individuellen Gangveranlagung und -qualität sind Ausbildung von Reiter und Pferd nicht immer für größere dressurmäßige Aufgaben geeignet. Dies ändert sich aber rapide, immer mehr Reiter legen Wert auf eine vielseitige Ausbildung ihrer Gangpferde, auf vernünftige Gymnastizierung und mehr dresurmäßige Arbeit um ihren vierbeinigen Partner lange gesund zu halten. Gaited Working Equitation bietet hierfür eine gute Möglichkeit. Vor allem die aus der normalen Working Equitation übernommenen Hindernisse des Trails eignen sich nämlich hervorragend, um die Rittigkeit der Pferde zu verbessern und die Einwirkung und den Sitz des Reiters zu schulen und dabei noch deutlich mehr Spaß zu haben als am sturen Lernen und Abspulen von Dressurlektionen.

Weithin anerkannte Gangpferdeausbilder wie Andrea Jänisch oder Stephan Vierhaus beschäftigen sich bereits seit einigen Jahren mit der Working Equitation und haben sie Stück für Stück an die Besonderheiten unserer Gangpferde angepasst. Sie sind Vorreiter in der wachsenden Szene der "Gaited" Worker, wir in Aegidienberg freuen uns deshalb sehr, dass beide in diesem Jahr einen Lehrgang bei uns leiten und auch wir noch von ihnen lernen können.

Den Anfang machte vergangenes Wochenende Andrea Jänisch, die zusammen mit Marlies Feldmann einer ganzen Anzahl unterschiedlicher Pferd-Reiter-Paare zunächst die verschiedenen Trail-Hindernisse nahe brachte und im Laufe des Wochenendes auf eine immer feiner und genauer werdende Bewältigung derselben hin arbeitete. Geduld, Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt viele hilfreiche Tipps führten dazu, dass sich auch junge und unerfahrene Reitpferde und ihre Reiter schnell an die Hindernisse und Aufgaben gewöhnten und alle viel Spaß und Erfolgserlebnisse hatten. Es ist nämlich beispielsweise gar nicht so einfach über eine klappernde Brücke zu reiten oder eine Stange (Garrocha) vom Pferderücken aus aufzunehmen, damit zu reiten, einen Ring damit zu stechen und alles zusammen wieder abzulegen! Zum Abschluss am Sonntag absolvierten dann alle Pferd-Reiter-Paare einen kleinen Trailparcours mit von ihnen frei gewählten Hindernissen, auf Video aufgenommen und von Andrea Jänisch so bewertet und kommentiert, wie sie es auch bei einem Wettbewerb tun würde. Darauf lässt sich aufbauen! Wir freuen uns schon sehr auf weitere Kurse in Aegidienberg!

Übrigens: Auch die Internationale Gangpferdevereinigung e.V. hat den Trend erkannt und so gab es bereits im vergangenen Jahr auf der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Gangreiten eine Gaited Working Equitation Wertung, bestehend aus drei Teilbereichen: Trailprüfung (kein Speedtrail), Rittigkeit mit Pflichtteil Tölt oder rassetypischer Gang und Gangprüfung.

Wir glauben, dass Gaited Working Equitation eine vielseitige Möglichkeit bietet, um unsere Gangpferde noch feiner und besser auszubilden und zu reiten, bei ganz viel Spaß und Abwechslung für Pferd und Reiter. Wir hoffen sehr, dass es sich auch auf Gangpferdeturnieren langfristig etabliert und haben eine Gaited Working Equitation Wertung deshalb auch in unser Programm beim HorseManShip-Turnier vom 04.-06. Mai 2018 am Gangpferdezentrum Aegidienberg aufgenommen. Seid dabei!