Internationale Deutsche Gæðingakeppni-Meisterschaften 2018

Ein Bericht von Kai Anna Braun.

Zum wiederholten Male hatte das Team von den Gangpferdefreunden Aegidienberg auch in diesem Jahr zu den Internationalen Gæðingakeppni-Meisterschaften eingeladen. Zudem sollte diese sogar noch mit dem internationalen Passchampionat verbunden werden. Das versprach eine spannende Veranstaltung zu werden.

Da das Turnier terminlich zum Ausklang der Turniersaison gelegen war, freuten sich zahlreiche Reiter über diese Möglichkeit, sich vor dem ruhigeren Winter noch einmal aufzumachen, Freunde zu treffen, ihre Pferde zu zeigen und eine unterhaltsame bunte Veranstaltung zu erleben. Zudem lockte die Aussicht, mal wieder ein etwas „anderes“ Turnier zu besuchen. Da außerhalb von Island das Gaeðingakeppni ja leider (noch) nicht weit verbreitet ist und nur sehr selten veranstaltet wird, ließen es sich auch in diesem Jahr wieder viele Reiter aller Altersklassen nicht nehmen, an dieser spannenden Prüfungsform teilzunehmen. Mit einer Mischung aus den Gaeðingakeppni-Prüfungen A-, B- und C-Flokkur, den Töltprüfungen T1, T2 und Beautytölt (Vorstellung des Pferdes in beliebigem Tempo Tölt auf einer Hand mit Benotung der Töltqualität und der Harmonie der Vorstellung), Futurity-Prüfungen und den Rennpassdisziplinen P1, P2, P3 und PP1 war das Programm bunt gemischt und für jeden etwas dabei. So kamen auch die verschiedensten Reiter zusammen: Vom noch nicht allzu Turniererfahrenen bis hin zu altbekannten, seit Jahren erfolgreichen Reitern waren alle vertreten. Die einen nutzten diese Gelegenheit, ihre jungen Pferde an das Turniergeschehen heranzuführen und sie Erfahrungen sammeln zu lassen, die anderen luden ihre bewährten Sportpferde ein, um noch einmal ein tolles Ergebnis in dieser Saison zu erreiten oder sie einfach mal im Gaeðingakeppni von einer anderen Seite zu zeigen. Viele der Reiter sind bereits treue Teilnehmer der Veranstaltungen in Aegidienberg, da sie wissen und schätzen, dass Walter und sein Team stets auch mal etwas andere Prüfungen und Turniere ausschreiben und beispielsweise das Gaeðingakeppni schon seit Jahren mit viel Herzblut unterstützen und fördern.

                                                            

 

                                                                                                                 

                        Sieger A-Flokkur                                                                                                                                                   Sieger B-Flokkur

Fannar von der Elschenau, V: Hritur vom Schloßberg, M: Fluga frá Hvolsvelli, geritten von Laura Enderes               Bragi frá Austurkoti, V: Kjarni frá Þjóðólfshaga 1, M: Hrafntinna frá Reykjavík, geritten von Andreas Trappe  

Auf unserer Spezielseite "Hall of Fame" sind die Champions aller Gæðingakeppni-Meisterschaften aufgeführt: http://gpf-aegidienberg.de/hall_of_fame

Da die Bewertungskriterien im Gaeðingakeppni sich etwas von denen in unserem üblichen Turniergeschehen unterscheiden, gab es in diesen Prüfungen auch deutlich andere Vorstellungen zu beobachten. Den Richtern kommt es hier nämlich neben der Gangqualität, dem guten Takt und dem Bewegungsvermögen besonders auf den Ausdruck, Charakter und Gehwillen des Pferdes an. Man möchte sehen, dass ein Pferd eine starke und positive Ausstrahlung besitzt, sich gerne und stolz präsentiert und von sich aus viel Temperament zeigt und dadurch willig und mit viel Energie vorwärtslaufen möchte, dabei aber stets dem Reiter gegenüber aufmerksam bleibt. Das Pferd, welches all diese Eigenschaften am besten vereint und verkörpert, ist der gesuchte, annähernd perfekte, „Gaeðingur“.

Weil die Bewertung auf jeden Fall kein „Fehlersuchen“ beinhaltet, also auch nicht jede einzelne Rolle oder ein Aus-der-Form-Fallen mit Punktabzug bestraft wird, wenn es denn nicht dauerhaft auftritt, dürfen sich die Reiter auch einfach einmal trauen, spritzig vorwärts zu reiten, Tempowechsel einzubauen, hier und da mal einen kleinen Fehler zuzulassen und beispielsweise im Galopp ein energisches Zulegen zu zeigen. Die Pferde wirken oftmals viel energievoller und stolzer, wenn sie nicht dauerhaft „bearbeitet“ werden müssen, um bloß keinen Fehler zuzulassen, der einem die Note verschlechtern könnte. Auch die Reiter erscheinen zum Teil freier und gelöster, da sie es genießen können, flott vorwärts zu reiten, sich nicht darum sorgen müssen, ob ihre Pferde nun dauerhaft in der gleichen Haltung „feststecken“ müssen oder einen kleinen Fehler zeigen. Man sieht Pferd und Reiter den Spaß an der Sache einfach an.

Die Reiter und Zuschauer waren sich einig, dass diese Prüfungen als Ergänzung zu den bei uns üblichen Wettbewerben durchaus wertvoll für das Islandpferd sein können und viele wünschen sich nach den schönen Vorstellungen in Aegidienberg, diese öfters ausgeschrieben zu sehen.

Unschwer zu erkennen: Auch die Richter waren von den Leistungen sehr angetan.

 

Wer nun glaubt, mit einem angenehmen Zeitplan, toller entspannter Stimmung und Wettkämpfen auf hohem Niveau wäre es das schon mit dieser Veranstaltung gewesen, der irrt sich! Denn wer Walter und das Team vom Aegidienberger Verein kennt, der weiß, dass hier stets ein abwechslungsreiches und überraschendes Rahmen- und Abendprogramm zu erwarten ist, worauf sich die Teilnehmer und Zuschauer immer schon im Voraus freuen und welches auch ein weiterer Grund ist, sich dieses Turnier nicht entgehen zu lassen! Auch dieses Mal war ein buntes Programm vorgesehen. Los ging es am ersten Abend mit einer Zeitreise. Walter hatte einige seiner langjährigen Freunde eingeladen, die zu den Koryphäen des IPZV gehören. Jeder kennt sie und weiß, was sie für das Islandpferd erreicht und vorangetrieben haben. Zu den Gästen gehörten neben Walter selbst Ullu Becker, Helga Podlech und Wolfgang Berg. Eingeladen hatten sie alle Teilnehmer, Zuschauer, Interessierte und Islandpferdebegeisterte, um einen Abend lang in die Geschichte des Islandpferdes in Deutschland zu reisen. Im Festzelt wurde eine große Sitzgruppe aufgestellt und alle versammelten sich. Es wurde erzählt, wie das Islandpferd denn überhaupt nach Deutschland kam, wie jeder der Beteiligten zu dieser Rasse kam, wie der IPZV gegründet wurde, wie man anfangs auf Asphaltstrecken Töltwettbewerbe bestritt, damit die Richter besser hören konnten, ob der Takt rein war, wie es dazu kam, dass wir heute auf Ovalbahnen reiten und vieles vieles mehr. Jeder der Redner brachte diverse Anekdoten ein, die die Zuhörer zum Staunen und oftmals zum ausgelassenen Gelächter veranlassten. Untermalt wurde der gesamte Abend mit Bildern und Videos, die an die Zeltwand projiziert wurden. Schon spannend zu sehen, wie man noch vor einigen Jahrzehnten auf dem Pferd saß, wie sich das Islandpferd entwickelte und die heutige uns allen bekannten Szene rund um diese Rasse entstand. Besonders mitreißend waren die Geschichten und Erzählungen zum Great American Horse Race, wobei im Jahr 1976 eine Gruppe (manche nannten sie „Verrückte“) um Walter, Ullu, ihrem Mann Claus, Johannes Hoyos und noch einigen mehr ihre Islandpferde in die USA transportiert hatten und dann an einem dreimonatigen Pferderennen quer durch die gesamten Vereinigten Staaten teilnahmen. Auch hier zogen die Anekdoten, Bilder und Videos die Zuhörer in ihren Bann. So verging der Abend und alle genossen die Atmosphäre aus Staunen, In-Erinnerungen-Schwelgen und heiterer Ausgelassenheit. Eine ganz großartige Idee, wie alle Anwesenden fanden!

 Zu den alten Geschichten wird es in Kürze einen Sonderbericht geben.

Doch schon der nächste Abend stand dem vorigen in nichts nach. Der Reiterball sollte nämlich nicht wie üblich am Turniergelände stattfinden. Nein, die Location für diesen Abend stellte der Drachenfels dar! Mit einer urigen Zahnradbahn durften sich alle Reiter und Beteiligten, welche sich richtig in Schale geschmissen hatten, auf den Gipfel dieses Berges transportieren lassen, um dort unter „Wow“-Ausrufen auszusteigen und direkt den fantastischen Ausblick genießen zu können. Der weitschweifende Blick über die Rheinebene war schon etwas ganz Besonderes. Nach ausgiebigem Fotografieren und Festhalten dieser Momente ging es nach einem Begrüßungssekt in den Festsaal. Hier wurde dann an langen Tafeln den Abend über gespeist, eine Band sorgte für Unterhaltung, ein paar isländische musikalische Beigaben wurden ebenfalls vorgetragen und so wurde in geselliger Runde dieser wieder einmal außergewöhnliche Abend in ausgelassenen Tanzrunden beschlossen.

Der letzte Abend führte die Turniergesellschaft dann wieder zurück zum Gelände in Aegidienberg und ins Festzelt. Doch statt des heutzutage üblichen DJs legten die Isländer so richtig los. Mit Erlendur Árnason, der ansonsten zum Richterteam der Gaeðingakeppniprüfungen gehörte, stand auch ein erfahrener Musiker auf der Bühne. Mit einer Mischung aus isländischen Volksliedern und mitreißenden Coverversionen bekannter Songs war ein jeder der Anwesenden zu erreichen und dazu zu bringen, das Tanzbein zu schwingen. Von Gruppentänzen über Polonaisen bis hin zu mutigen Einzeldarbietungen war alles dabei und jeder hatte seinen Spaß. Wer mal eben ein Päuschen vom Trubel im Zelt brauchte, der ging einfach vor die „Tür“ und konnte sich am Getränkewagen einer der vielen Grüppchen anschließen, die alle in anregende Diskussionen zu den verschiedensten Themen rund um das Islandpferd vertieft waren. Mit dieser Mischung aus lockerem Beisammensein und Plaudermöglichkeiten auf der einen und wildem Tanz zu isländischen Stimmungsmachern auf der anderen Seite, konnte sich jeder wohlfühlen und auch an diesem Abend wieder mit von der Partie sein.

                                                             

Die Kombination von Historischem, Modernem und Eleganz bot die Reiterballathmosphäre auf dem Drachenfels hoch über dem Rhein.

Der musikalische Teil zog sich dann sogar noch weiter als bis zum Abendprogramm. Denn wie schon in früheren Jahren war organisiert worden, dass die Finals am Sonntag ebenfalls stimmungsvolle musikalische Begleitung erhalten sollten. So konnten die Zuschauer schöne Pferde, Sport auf hohem Niveau und dazu passende Live-Musik einer tollen Band erleben. Was will man mehr?

Als Fazit der diesjährigen Internationalen Gæðingakeppni-Meisterschaften auf dem Gangpferdezentrum Aegidienberg lässt sich sagen, dass wieder einmal eine hervorragende Veranstaltung mit tollen sportlichen Wettkämpfen, einem herausragenden Abendprogramm und einer absoluten Wohlfühl-Atmosphäre zustande kam, ein jeder seinen Spaß hatte und immer mehr Reiter sich für die Zukunft des Öfteren die Organisation von Gaeðingakeppni-Prüfungen wünschen, die so viel zur Vorstellung und Förderung der für das Islandpferd typischen und wichtigen Eigenschaften beitragen können!

 

   Viele Kleinigkeiten schafften eine Sich-Wohlfühl-Atmosphäre